Drogenhilfe Tübingen
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Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Tübingen

04.Dezember 2006

Regierungspräsident Hermann Strampfer überreicht in Tübingen Anerkennungsurkunde der "Stiftung für Prävention und Rehabilitation Baden-Württemberg"

Verbesserung der Hilfeangebote durch gemeinsame Stiftung von Drogenhilfe Tübingen e.V. und Badischen Landesverband für Prävention und Rehabilitation e.V.

 

Die Förderung der Prävention und Rehabilitation von Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen ist der Zweck der neuen "Stiftung für Prävention und Rehabilitation Baden-Württemberg". Die Stiftung mit Sitz in Tübingen ist von der Drogenhilfe Tübingen e.V. und dem Badischen Landesverband für Prävention und Rehabilitation e.V., dem größten Träger für Suchtkrankenhilfe in Baden-Württemberg, begründet worden. Ihren Zweck erreichen will die Stiftung durch ambulante und stationäre Arbeit mit Menschen mit substanzbezogenen Störungen, Förderung von Aktivitäten und Unternehmungen zur beruflichen Integration, Eingliederung und Betreuung von Menschen mit Behinderungen sowie Prävention von substanzbezogenen Störungen und von Behinderungen.

 

"Abhängigkeit und Sucht haben sich über die letzten Jahre und Jahrzehnte zu einem immer größeren gesellschaftlichen Problem entwickelt. Mittlerweile leiden fünf bis sieben Prozent der Bevölkerung an einer stoffgebundenen Abhängigkeit von Suchtmitteln. Dieses zunehmende Suchtverhalten und seine schädliche Wirkung auf die Psyche und den Körper der Betroffenen stellt die Gesellschaft vor große Herausforderungen," sagte Regierungspräsident Hermann Strampfer am Montag (04.12.2006) im Bebenhäuser Klosterhof in Tübingen anlässlich der feierlichen Überreichung der Anerkennungsurkunde für die 54. Stiftung bürgerlichen Rechts im Landkreis Tübingen.

Zwei erfahrene Verbände aus Württemberg und Baden hätten mit der gemeinsamen Stiftungsgründung eine zukunftweisende Zusammenarbeit besiegelt und ihre erfolgreiche Tätigkeit zusammengebunden. Stampfer: "Die beiden Partner ergänzen sich hervorragend. Synergieeffekte wie die Steigerung der Wirtschaftlichkeit, der Effizienz und der Qualität durch ein aufeinander abgestimmtes Konzept sind zu erwarten. Die in Fachkreisen hochangesehene Arbeit wird so auf eine breitere Basis und verbesserte Grundlage gestellt".

Im Vorfeld der Stiftungsgründung hatten DHT und blv Modelle der Perspektivenentwicklung geprüft, die sich zur zukünftigen Absicherung ihrer Arbeit eignen. Dabei sind sie zu dem Ergebnis gekommen, dass beide Vereine von ihren bisherigen Arbeitsfeldern und räumlichen Ansiedlungen her (blv in Baden mit Schwerpunkt ambulanter Versorgung, DHT in Württemberg mit Schwerpunkt stationärer Versorgung) optimal zusammenpassen. Mit der Zusammenführung in einer Stiftung wird eine Verbesserung der Hilfeangebote zwischen ambulanten und stationären Angeboten verfolgt. Synergieeffekte sollen in den verschiedensten Bereichen die Leistungen so optimieren, dass Patienten bereits im ambulanten Feld auf die "passgenaue" stationäre Therapie vorbereitet werden. Mit der gemeinsamen Gründung einer Stiftung wollen die Vereine gleichzeitig eine neutrale Kontrolle gewährleisten, die dazu beiträgt, Zustiftungen und Spender zu gewinnen. 

Die Träger statten die Stiftung zu gleichen Teilen mit einem Sachvermögen, bestehend aus Grundstücken und Gebäuden in Lörrach und in Weinsberg, im Umfang von insgesamt 200.000 Euro aus.

Beide Träger haben 2005 nach eigenen Angaben in ihren insgesamt sieben Rehabilitationskliniken ca. 1.400 stationäre Behandlungen für Drogen- und Alkoholabhängige durchgeführt. In den 29 Beratungs- und Behandlungsstellen wurden ca. 13.000 Beratungen von Suchtgefährdeten und Suchtkranken geleistet. Die künftige Gesellschaft wird 640 Mitarbeiter beschäftigen und einen Jahresumsatz von ca. 30 Millionen Euro tätigen.

Regierungspräsident Hermann Strampfer hob in Tübingen auch hervor, dass die Vereine mit der Gründung ihrer Stiftung ganz im Trend der Zeit lägen: "Hatten wir zu Beginn des Jahres 1995 im Regierungsbezirk Tübingen erst 153 selbständige Stiftungen bürgerlichen Rechts, so sind wir heute bei 373 Stiftungen angelangt. Dies bedeutet, dass sich die Zahl der Stiftungen in den letzten zehn Jahren im Regierungsbezirk Tübingen deutlich mehr als verdoppelt hat und ich bin zuversichtlich, dass dieser Trend weiter anhält."

Die positive Entwicklung im Regierungsbezirk Tübingen könne auch auf das Land Baden-Württemberg und die gesamte Bundesrepublik Deutschland übertragen werden. In Deutschland gebe es gegenwärtig rund 13.000 selbständige Stiftungen bürgerlichen Rechts. Baden-Württemberg belege mit rund 2.000 Stiftungen einen der vordersten Plätze. Strampfer: "Führt man sich vor Augen, welches Vermögen bundesweit in diesen Stiftungen vereint ist und welche Erträge daraus erwirtschaftet werden, wird die große Bedeutung sichtbar, die Stiftungen für unsere Gesellschaft heute haben. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen schätzt das Vermögen der Stiftungen in Deutschland auf rund 60 Milliarden Euro. Experten gehen davon aus, dass die Stiftungen einschließlich der ihnen zufließenden Spenden über etwa 15 Milliarden Euro verfügen, die jährlich für gemeinnützige Zwecke ausgegeben werden können."

Regierungspräsident Hermann Strampfer machte auch auf die Vorzüge von Stiftungen aufmerksam. Der Stiftungszweck dürfe nur aus den Erträgen des Stiftungsvermögens verwirklicht werden, das selbst unangetastet bleiben müsse. Der Staat übernehme hier eine unerlässliche Garantiefunktion und stelle damit die Langlebigkeit und Dauerhaftigkeit von Stiftungen sicher. Die Aufsicht des Regierungspräsidiums wache darüber, dass der Wille des Stifters auch nach seinem Tode verwirklicht wird, die Stiftungsorgane ihre Stellung nicht missbräuchlich ausnutzen und die Stiftung das Vermögen zusammen hält.

 



von rechts nach links: Thomas Bader, Geschäftsführender Vorstand der Drogenhilfe Tübingen; Landrat Klaus Brodbeck, 1. Vorsitzender des blv.; Regierungspräsident Hermann Strampfer; Bürgermeister a.D. Gerd Weimer, Verwaltungsratsvorsitzender Drogenhilfe Tübingen; Christian Heise, Geschäftsführer des blv.