 Home
So sieht es bei uns aus
Wen nehmen wir auf? /Bewerbung
Was bieten wir an?
Wie sieht ein typischer Tagesablauf aus?
Die schreibende Zunft
Spenden
Links
Kontakt
Anfahrt
|
Der Tag
Was für die einen wie eine Perlenkette aneinandergereihter Alltage daherkommt, ist für die anderen ein - Schritt für Schritt
- durchlebter Marsch durch unwegsames Gelände: es ist alles eine Frage der Perspektive:
Perspektive I: Der Klient
Perspektive II: Die Mutter
Perspektive III: Der Therapeut
Perspektive I: Der Klient
Der Tagesablauf auf Schloss Bettenburg aus Sicht eines Klienten
Der Tag beginnt mühsam und still, teils auch unausgeglichen morgens mit der Anwesenheitsüberprüfung in der burgeigenen
Aula. Anschließend geht es noch schläfrig zum Frühstück über, das von der Auswahl nahrhaft und vitaminreich ist. Nach dem
Dämmerzustand, wobei der Kaffee beim Frühstück seine Wirkung entfaltet und man sich aktiv und fit fühlt, begeben wir uns im
wachengeistigen Zustand in einen Saal Wo allmorgendlich eine Runde mit Therapeuten (Arbeitsth., Sportth., Ergoth., Familienth.,
usw.) stattfindet. Die ich kritisch, spannend, emotional, Wut und mit Begeisterung aufnehme. Die Hauptthemen solcher Runden
bestehen aus Konfrontationen, Konfliktbesprechungen, Anregungen und Regelverstöße sowie Anträge verschiedenster Art statt.
Wobei situationsbedingte Themen die in der Morgenrunde zu keinerlei Ergebnis/Lösung kommen, werden anschließend in den Kleingruppen
intensiver und anspruchsvoller behandelt. Diese Gruppen die für mich viel versprechend und erfahrungswert ist, sind in 4 Variationen
aufgegliedert: Anfangs- bzw. Neue Gruppe, Fortgeschrittenen - Gruppe, Verantwortlichen - Gruppe, Adaptions - Gruppe...Die
Nutzen der einzelnen Gruppen sollte man zur eigenen Entfaltung und zur persönlichen Problemlösung positiv mitwirken. Man bekommt
einige Rückmeldungen darüber, welche Wirkung man selbst auf Andere hat und erhält somit die Möglichkeit in der Gruppe neues
zwischenmenschliches Verhalten zu erlernen und zu erproben. Kritikfähig und Kritik ertragen sollte man besitzen. Man erhält
Ratschläge sowie Anleitungen durch andere Gruppenmitglieder oder den Therapeuten, die man nach eigener Einschätzung, Entscheidung
annehmen oder zurückweisen kann. Diese so genannten Wirkfaktoren der Gruppen können nur dann ihre positive Kraft für einen
selbst entfalten, wenn man aktiv mitwirkt und mitarbeitet. Bei Arbeitsbeginn kann man seine Geschicklichkeit, Fähigkeit, Kenntnisse,
Fertigkeiten in verschiedenen Arbeitsbereichen (Tiere, Bau, Wäsche, Garten, Küchen und Putzer) prüfen. Falls solche noch nicht
vorhanden sind, besteht die Möglichkeit diese sich anzueignen. Der leichte Arbeitsablauf beinhaltet nicht dasselbe Arbeitswesen
wie eine Arbeitsstelle außerhalb der Therapiestätte. Das Hauptinteresse liegt daran, den einzelnen Klienten gefühlsbetont,
langsam an die aktive Arbeitsmoral heranzuführen. Nach längerem Aufenthalt auf der Therapie besteht die Möglichkeit einen
Beruf seiner Wahl in einem Praktikum zu erproben. Dazu kommt, dass man seinen eigenen Berufswunsch mit Beginn einer Ausbildung
erlernen kann. Nach teilweise erschöpften, kraftvollen, hungrigen Arbeitsende geht es über zur aktiven Freizeitgestaltung.
Dies mit sehr viel Spaß und Freude sowie lustig bis zu Fröhlichkeit entsteht, bei Sport und Spiel. Die sportlichen Aktivitäten,
wobei auch kleinere Blessuren entstehen geschieht zweimal wöchentlich, beinhaltet Fußball, Volleyball, Basketball; Dazu gibt
es Angebote in folgenden Bereichen: Gesellschaftsspiele, Theatergruppe, Billard, Tischtennis, Kraftsport, Fotokurs, Meditation
und einige andere die ich absichtlich nicht erwähne. Regelmäßige Ausflüge, Besichtigungen und Spaziergänge finden auch statt.
Am Abend eines Tages gibt es eine Informationsrunde für uns Klienten, dort kommt es zur Ansprache von Medikamenten, Post,
Wäscheausgabe, Fernsehplanung und Verteilung von Sanktionsstunden die von gewollten oder unabsichtlich herbeiführten. Nach
Abschluß dieser Runde lese ich immer Zeitung wobei andere fernsehen oder sich unterhalten und Gesellschaftsspiele spielen.
Mit großem Interesse wird untereinander Dart- und Tischfußballturniere eingeführt. Bis zur Bettruhe sitzen einige Klienten
in gemütlicher Atmosphäre beisammen, die ihre Erfahrungen, Leben und Einblicke austauschen. Der Abend endet um 23.25 Uhr mit
der Bettruhe. Spannend und interessant sind bei besonderen Aktionen die so genannte HV- Hausversammlung. Rückfälle und dergleichen,
die dringlich bekannt gegeben werden, finden in der HV statt. Am Ende jeder Woche gibt es eine Zusammenfassung über Misserfolge
und Ergebnisse in den einzelnen Arbeitsbereichen, dies nennt man bei Schloss Bettenburg eine Arbeitsreflektion (Wochenrückschau).
Ich erlebe den Aufenthalt auf der Burg fördernd, kooperativ, kulant, unterstützend in verschiedenen Bereichen, spaßig,
interessant und fröhlich zugleich.
Perspektive II: Die Mutter
Ein Wochentag auf Schloss Bettenburg
Der Wecker klingelt um 6 Uhr, mittlerweile ist es wieder dunkel, und das Aufstehen fällt nach 7 Monaten immer noch schwer.
Irgendwann gegen 6.15 Uhr kommen die Kinder Ben 3 Jahre, Jennifer 4 Jahre in unser Bett, und bringen mich in den Alltag zurück.
Aufstehen, Waschen, Anziehen, Frühstücken, endlich den 1 Kaffee und Nikotin. Dann ist es mittlerweile 7.30 Uhr und die Kinder
werden ins Kinderhaus über den Hof gebracht. Und nun zügig in die Morgenrunde, in der das ganze Haus versammelt ist und über
aktuelle Themen redet. 7.45 - 8 Uhr. Um 8.30 Uhr ist dann Arbeitsbeginn, ich habe lange in der Wäsche gearbeitet. Ein Job
mit Verantwortung der mir sehr gut tat, Selbstbestätigung, die Mutterrolle bis zum Arbeitsende einfach abstreifen. Ich sein,
irgendwie die einzige Zeit am Tag. 11.30 Mittagessen und dann noch bis 1.15Uhr arbeiten. Mo, Mi, Fr sind Bezugsgruppen von
ca. 10 - 12 Leuten, dann verschiebt sich das Arbeitsende bis 15.00 Uhr. Da gibt es Tage, wo ich jetzt am liebsten ins Bett
wäre, die Decke über den Kopf und nichts mehr tun und denken. Aber da warten Kidis, die sich auf Mama und Papa freuen. Zähne
zusammen und lächeln. Meistens sind wir an solchen tagen spazieren gegangen, in den Wald, der vor der Burg beginnt. Danach
ging es immer besser. Zurück auf der Burg gehts in den Elterntrakt, der eine Küche hat, ein Spielzimmer und einen Esstisch.
Von diesem Zimmer gehen 3 Zimmer ab, mit Bad und WC. (Für 3 Väter/Mütter oder Paare mit Kind) Die Kinder kommen zur Ruhe,
nicht immer, oft ist die Elterntrakttür interessanter wie alles andere. Sie geht auf und meine Kinder verlieren sich in dem
großen Gebäude, eine Turnhalle steht offen in der nur noch getobt wird. Um 18.00 Uhr holen wir das Abendessen und essen zu
viert im Elterntrakt. Dann noch ein wenig spielen, und um 19.00 geht unsere Zimmertür zu. Duschen, schmusen, Geschichten lesen.
Dabei wechseln John und ich uns ab. So hat jeder mal um 19.00 Uhr schon Feierabend. Ca. 20.30 Uhr schlafen sie dann, und John
und ich treffen uns im Spiegelsaal oder in der Vorhalle. Manchmal sind wir noch fit, und gehen Tischtennis spielen, manchmal
reden wir über uns, manchmal hängen wir einfach erschöpft nur noch vor der Glotze. Einmal in der Woche geht John abends in
Volleyball und ich ins Theater. Abstand der uns gut tut. Therapie ist nicht einfach mit Kindern, doch es ist nicht mehr so
anstrengend wie am Anfang, je mehr ich mich wieder spüren gelernt habe. Mittlerweile, wo wir wieder reale Träume haben, sind
John und ich lockerer geworden, und das kommt von den Kindern 100-fach zurück. Am Ende des Tages, wenn Ben und Jenny mir sagen,
dass sie mich lieb haben, und John meine Hand nimmt, dann weiß ich, dass wir genau das Richtige getan haben, zu viert Therapie
zu machen.
Perspektive III: Der Therapeut
Der Tag beginnt mit Wecken um 6.30 Uhr und mit dem Frühstück um 7.10 Uhr. Uns ist dabei wichtig, sich an das regelmäßige
Aufstehen in Vorbereitung auf die Anforderungen des Arbeitslebens zu gewöhnen.
Um 7.45 Uhr findet eine Hausversammlung mit allen Klienten und Therapeuten für 15 Minuten statt. Sich am Morgen zu sehen,
eventuelle Fragen und Konflikte vom Vortag abzuklären und offene Fragen zur Tagesstruktur zu klären ist die Aufgabe dieser
Morgenrunde. Montags und freitags ist die Hausversammlung ausführlicher.
Arbeitsbeginn in der Arbeitstherapie ist in der Regel um 8.30 Uhr. Sie dauert bis 13.15 Uhr und ist vom Mittagessen unterbrochen.
Die Arbeitsbereiche umfassen Arbeiten in der Küche, der Wäsche, bei der Hausreinigung, im Bau - und der Instandsetzung sowie
im Garten und bei den Tieren. Die Arbeitsbereiche decken sämtliche Arbeiten ab, die man in einem selbständig geführten Haushalt
zu führen hat und sollen von allen Klienten durchlaufen werden. Zusätzlich kann in unserer Lehrwerkstatt eine Schnupperlehre
in den Bereichen Metall und Holz durchgeführt werden, die zur Abklärung einer möglichen Ausbildung nach der Therapie führen
kann.
Gruppentherapie findet dreimal wöchentlich in der Regel von 13.30 Uhr bis 15.00 Uhr statt. Zusätzliche thematische Gruppen
wie Elterngruppe, Frauengruppe, Männergruppe, Patengruppe, psychoedukative Therapie für Opiatabhängige, Ohrakupunktur und
andere bilden ergänzende Angebote, die an den verbleibenden Wochentagen zeitgleich stattfinden.
Einzelgespräche finden nach Absprache mit den Therapeuten in Abstimmung mit den übrigen Terminen statt.
Nach 15 Uhr finden Angebote im Freizeitbereich und in der Ergotherapie statt. Das betrifft Ergotherapie, Sport, Fotokurs,
Freizeitgruppe, Kraftsport, Theaterworkshop, Meditationsgruppe, Schwimmen und andere. Das Programm ist teils verpflichtend,
teils freiwillig.
Um 18.15 Uhr findet das Abendessen statt.
Um 19.00 Uhr findet eine zehnminütige Hausversammlung mit Infos vom Tag statt und es werden Aufgaben in Folge von Regelverstößen
festgelegt.
Der weitere Abend unterliegt der freien Zeiteinteilung und kann mit Kicker-, Billard- oder Dart - Spielen verbracht werden.
Fernsehen ist auch möglich. Wir legen Wert auf Kontakt untereinander in den Abendstunden. Gelegentlicher Rückzug zum Lesen
oder Musikhören ist auch möglich.
Die Nachtruhe beginnt um 23.30 Uhr.
Bei der Gestaltung des Wochenendes erwarten wir Eigeninitiative und Engagement.
Uli
|